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Leistungsmotivation

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3 Motivationale Erklärungen des Lern- und Leistungsverhalten

Eines der hervorstechendsten Merkmale von Kindern während der ersten Lebensjahre ist deren Neugierverhalten. Sie untersuchen alles, was ihnen in die Hände fällt und stellen unzählige Fragen.
Besucht man diese Kinder einige Jahre später in der Schule, so zeigen sie oft ein anderes Bild, das durch Passivität, Unlust oder Interesselosigkeit gekennzeichnet ist. Es stellt sich also die Frage, ob sich die typische Unterrichtssituation negativ auf diese angeborene Lernmotivation auswirkt. Es zeigt sich, dass sich Neugierverhalten keineswegs unter allen Bedingungen anregen lässt. Fehlen dem typischen Schulunterricht jene Merkmale, die die Neugier stimulieren.
Ein Problem stellt hierbei die übliche Wettbewerbssituation in der Schule dar. Viele Schüler sehen sich dadurch gezwungen, ihren Selbstwert durch kognitive Abwehrmechanismen zu schützen, was ihre Lernmotivation hemmt. In den folgenden Kapiteln wird versucht, Faktoren für die Hemmung oder Verstärkung von Motivation zu erfassen. (VGL. MIETZEL, S. 250)

3.1 Die Neugier

Bereits seit den 50er Jahren beschäftigt man sich in der Päd. Psychologie mit dem Neugierverhalten. DAY teilt allerdings noch 1981 mit, dass keine adäquate Definition des Neugierbegriffs vorliegt. Er selbst kennzeichnet Neugier “als einen Zustand der Erregung und des gerichteten Interesses, der seinen befriedigenden Wert in sich selbst trägt. Die neugierige befindet sich in einem starken emotional getönten Annäherungs- und Vermeidungskonflikt.” (DAY in: MIETZEL, S. 251)
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Frage nach dem Wesen der Neugier und nach den Möglichkeiten der Anregung und Förderung im Unterricht nur höchst unbefriedigend zu beantworten, allerdings erscheint diese Motivation zu bedeutsam, um völlig ignoriert zu werden.

3.1.1 Spezifisches und diversives Neugierverhalten

Die Antriebstheoretiker gingen davon aus, dass motiviertes Verhalten stets darauf abzielt, Spannungs- und Erregungszustände zu verringern. Diese Annahme lässt sich jedoch nur schwer mit den Beobachtungen vereinbaren, wonach Tiere, nachdem sie ausreichend gegessen und getrunken haben, keineswegs einschlafen (siehe auch Kapitel Triebtheorie). Auch bei Erwachsenen gibt es Belege dafür, dass diese nicht nur Situationen suchen, die mindernd auf ihren Erregungsgrad wirken.
Wenn man zum Beispiel Berge besteigt, in Achterbahnen fährt oder sich ein Autorennen ansieht, so geschieht das offensichtlich deswegen, um den eigenen Erregungsgrad zu steigern. Nach BERLYNE (einer der bekanntesten Vertreter der Neugierforschung) sind Organismen nicht generell motiviert, Reizeinwirkungen zu minimalisieren. Seiner Meinung nach gäbe es für jedes Individuum ein optimales Reizniveau. Der Aufenthalt in einer monotonen reizarmen Situation hat in der Regel zur Folge, dass der Erregungsgrad unterhalb des optimalen Bereichs absinkt. Es folge darauf eine Motivierung des Individuums, den Erregungsgrad wieder anzuheben. FRANKEN stellt fest, dass Menschen ein gewisses minimales Niveau an Reizung, egal ob internaler oder externaler Herkunft, brauchen um positive Affekte zu erfahren (z.B. Freude, Genugtuung oder Zufriedenheit).
Es wird also diversives Neugierverhalten geweckt, das sich darauf richtet, irgendwelche Sinnesreizungen zu erfahren. Das heißt, wenn sich ein Schüler während der Unterrichtsstunde langweilt sucht er sich eigene Beschäftigungen (z.B. Herstellung von Zeichnungen, Kontaktaufnahme mit den Nachbarn).
Eine zweite Art von Neugier, die spezifische bzw. epistemische Neugier, bezieht sich auf Ereignisse, Objekte oder andere Gegebenheit, die unerwartet eintreten und relativ unbekannt sind. Sie rufen Orientierungsverhalten bzw. Aufmerksamkeitszuwendung hervor. Reizgegebenheiten, die aufgrund der bisher vorliegenden Erfahrungen kognitiv nicht eingeordnet werden können, rufen einen kognitiven oder Informations-Konflikt hervor. Es entsteht ein spezifisches Erkundungsverhalten, das dazu dient, Informationen zu gewinnen, damit der wahrgenommene Widerspruch aufgelöst und die Unsicherheit verringert werden können.
Eine Situation, die Elemente der Neuheit enthält besitzt motivierende Funktion. Wenn der Unbekanntheitsgrad einer Reizsituation über ein gewisses Maß hinausgeht, ruft sie zunehmend aversive Reaktionen hervor. Neue Situationen wirken nämlich gleichzeitig furchtauslösend und zwar um so stärker, je mehr sie für den Wahrnehmenden Bekanntes durchbrechen.
Eine Situation müsste also dann als optimal gelten, wenn sie einerseits nicht zu vertraut (Langeweile) aber auch nicht zu fremdartig (Furcht) ist. PIAGET spricht von einer “Zone des optimalen Interesses für das, was weder zu bekannt noch zu neu ist”. (VGL. MIETZEL, S. 250-254)

  
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