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2.2.1.2 Die Überzeugungs-Wert-Matrix im Verhaltensmodell TOLMANsDer Ansatz TOLMANs ist folgendermaßen gekennzeichnet:
- Forschungsgegenstand der Psychologie ist nicht das Verhalten des des
behavioristischen Response-Begriffs, der auch “molekulare”
Phänomene wie Muskelkontraktionen, Drüsensekretionen usw.
einschließt, sondern das “molare” Verhalten bzw.
“action” - eine größere Verhaltenseinheit also, der ein
Sinn (“action meaning”) zugeordnet werden kann (z. B. einen Jacke
anziehen, essen,...).
- TOLMAN bezieht sogenannte intervenierende Variablen ein (im Gegensatz zu
behavioristischen S-R Modell).
Nach TOLMAN ist molares Verhalten zielgerichtet (purposive) und damit
abhängig von kognitiven Prozessen. Der Zielrichtung des Verhaltens liegt
ein Bewertungsprozess zugrunde, nach dem ein bestimmtes Ziel zu erstreben oder
zu vermeiden ist. In dieser Vorstellung liegt ein grundsätzlicher
Widerspruch zum S-R-Modell, da nach diesem ein Zukünftiges (Ziel) nicht
Gegenwärtiges determinieren kann, sondern ein Verhalten nur von einem
vorausgegangenen Ereignis her zu erklären ist. Gerichtetheit des Verhaltens
besagt jedoch, dass künftige Ereignisse in einem kognitiven Vorgang
antizipiert und bewertet werden und Handlungsabläufe sich danach auf das
Ziel hin ausrichten. Als weitere für die Steuerung des Handlungsablaufs
wesentliche Prozesse werden von TOLMAN Erwartungen/Überzeugungen
angeführt. Sie beziehen sich auf Mittel bzw. Zwischenschritte zur
Erreichung eines Ziels. Diese Überzeugungen sind nach TOLMAN Ergebnisse von
Lernprozessen. Derartige Lernprozesse führen letztendlich zum Aufbau
“kognitiver Landkarten”, die die Überzeugungen bezüglich
der Verbindung von Mitteln, Wegen und Zielen wiedergeben. Zusammen mit den
Bewertungen bilden die Überzeugungen die
“Überzeugungs-Wert-Matrix”, die das Kernstück des
TOLMANschen Verhaltensmodells darstellt.
Intervenierende Variablen (IV) stehen in TOLMANs Modell zwischen den der
direkten Beobachtung zugänglichen Abhängigen (UV) und Abhängigen
Variablen (AV). AV sind die molaren Verhaltensweisen bzw. deren Merkmale
(Reizsituation, Triebzustand, Alter, Geschlecht, usw.). Somit bestimmen nicht
die objektiv erfassbaren UV das Verhalten, sondern die Intervenierenden
Variablen. Die Funktion der Überzeugungs-Wert-Matrix veranschaulicht TOLMAN
am Beispiel einer Person, deren Ziel es ist, Hunger zu stillen:
Wenn Person X die Stillung des Hungers positiv bewertet (Wertkomponente der
Ü-W-Matrix), wird sie bestimmte Speisen (Mittel zur Erreichung des Ziels)
in eine bestimmte Rangordnung bringen, und zwar aufgrund ihrer
Überzeugungs-Erwartungen) hinsichtlich ihrer jeweiligen Eigenschaften
bezüglich der Stillung des Hungers.
Auf der Basis früherer Erfahrungen trägt das Individuum an jede
neue Reizsituation eine modale Überzeugungs-Wert-Matrix heran. Diese
Matrix aktiviert und spezifiziert das Resultat im kritischen Augenblick. Diese
aktivierende Matrix führt zusammen mit den Umgebungsreizen zu einem
spezifischen Verhaltensraum.
Durch das Konzept der Überzeugungs-Wert-Matrix ist TOLMAN als
Erwartungs-Wert-Theoretiker charakterisiert. Dieser Begriff sowie die
Auffassung, dass Bewertungsvorgänge von einem Bedürfnissytem aus
getroffen werden, sind Anknüpfungspunkte für die Weiterentwicklung
der kognitiven Theorie durch ATKINSON. Während die behavioristische
Psychologie Lernen als Verhaltensveränderung definiert, versucht TOLMAN
Lernen als Aufbau von “cognitive maps”, die die subjektiv
wahrgenommenen Mittel und Ziele zur Erreichung eines Ziels enthalten. Analog zu
Landkarten geben “cognitive maps” das Wissen über
Verhaltensmöglichkeiten in einer gegebenen Situation wieder. Lernen ist als
Erweiterung dieses Wissens anzusehen. Ob sich das Verhalten in beobachtbarer
Weise ändert, hängt nach TOLMAN von einem Bedürfnis ab, eine
bestimmte alternative Verhaltensmöglichkeit in die Tat
umzusetzen.
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