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2.2.1 Kognitive Prozesse als Determinanten des Verhaltens: Erwartungen und Bewertungen2.2.1.1 Die LEWIN-Schule:Die Theorien ATKINSONs und TOLMANs können als Weiterführung der
theoretischen und empirischen Arbeiten von LEWIN bzw. dessen Mitarbeitern
angesehen werden. In diesem Abschnitt sollen die für die Entwicklung der
kognitiven Theorie relevanten Konzepte LEWINs dargestellt werden. Folgende
Überlegungen bilden die Grundlage seines feldtheoretischen
Verhaltenmodells:
Durch eine Vornahme wird ein Feld konstituiert, in dem bestimmte Ziele
(Gegenstände, Tätigkeiten) Aufforderungscharakter (später
“Valenz” genannt) erhalten.
Die Vornahme, einen Brief einzuwerfen, verleiht Briefkästen einen
Aufforderungscharakter. Sie verlieren diesen mit der Ausführung der
Vornahme.
Ein Feld ist danach ein Spannungssystem, in dem Aufforderungscharaktere den
Handlungsablauf steuern. Damit wendet sich LEWIN gegen das “aristotelische
Denken” in der Psychologie, wonach Handlungen aus den einer Person
innewohnenden Kräften bzw. Antrieb abzuleiten sind. Er vertritt die
Position des “galileischen Denkens” (vgl. Schwerkraft-Konzept) und
unterstreicht die Bedingungen der Kräfte des Feldes, die auf eine Person
einwirken. Eine Einseitigkeit der Betrachtung wird von LEWIN jedoch vermieden,
weil das Feld (siehe Beispiel) erst durch eine Vornahme - also einen Akt einer
Person in einer bestimmten räumlichen Umgebung - aufgebaut wird. Person und
Umgebung werden bei LEWIN somit zu funktionalen Bestandteilen des
psychologischen Feldes, das in seiner Terminologie als “Life Space”
(Lebensraum) bezeichnet wird. Ein weiteres Merkmal kognitiver Motivationstheorie
besteht darin, Verhalten als zielgerichtet aufzufassen. LEWINs relevante
Schlüsselbegriffe sind “Kraft” und “Valenz” (als
Determinante der Kraft). Kräfte im Lebensraum werden als Vektoren
dargestellt, demzufolge haben sie Richtung, Stärke und Angriffspunkt. Eine
psychologische Kraft, die im Lebensraum auf Person P in Richtung auf ein Ziel Z
wirkt, wird in der einfachsten Form folgendermaßen dargestellt:
® P
Z
Zur Bezeichnung der Determinante einer psychologischen Kraft führt
LEWIN den motivationstheoretisch bedeutsamen Valenzbegriff ein. Die Kraft ist
eine Funktion...
a) der Qualität der Valenz
b) der Entfernung der Valenz
ad a) Ziele (Objekte, Tätigkeiten und dergleichen) haben positive oder
negative Valenzen. Dementsprechend wirken auf die Person anziehende oder
abstoßende Kräfte. Der Zustand einer Person und ihre Wahrnehmung des
Ziels sind Faktoren, die die Qualität der Valenz beeinflussen.
ad b) Die psychologische Distanz zum positiv oder negativ valenten Ziel
trägt ebenfalls zum Ausmaß der wirkenden Kraft bei. LEWIN weist in
diesem Zusammenhang auf Befunde hin, nach denen die Beharrlichkeit von Kindern
bei der Erreichung eines Ziels mit abnehmender Entfernung vom Ziel wächst
und diskutiert widersprüchliche Beobachtungen, wonach das Interesse an
einem Ziel kurz vor oder mit Erreichung des Ziels nachlässt.
Bei Personen, die in Leistungssituationen stehen, kann in der Regel
beobachtet werden, dass sie sich ein Ziel, ein Anspruchsniveau, setzen. Bei
Erfolgsorientierung und Misserfolgsorientierung liegen zwei unterschiedliche
Tendenzen vor. In der Theorie der “resultierenden Valenz” wird davon
ausgegangen, dass in derartigen Leistungssituationen dem Erfolg bzw. Misserfolg
ein bestimmter Grad von positiver bzw. negativer Valenz entspricht. Diese
jeweilige Valenz wird jedoch beeinflusst durch die subjektiv empfundene
Wahrscheinlichkeit des Ereignisses (Erfolg oder Misserfolg). Das Produkt aus den
beiden Faktoren Valenz und subjektive Wahrscheinlichkeit ergibt danach jeweils
die “gewichtete Valenz” des Erfolgs bzw. des Misserfolgs. Aus diesen
beiden gewichteten Valenzen wird schließlich die “resultierende
gewichtete Valenz” bestimmt, die einer bestimmten Zielsetzung - dem
gesetzten Anspruchsniveau - entspricht.
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