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Leistungsmotivation

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ad e) Verstärkender Effekt der Triebreduktion
Eine der fundamentalsten Annahmen in HULLs Theorie besagt, dass jede Bedingung des Organismus, welche einen Trieb produzieren kann, auch als Verstärkung dienen kann, wenn diese Bedingung reduziert wird. Diese grundlegende Annahme wird allerdings durch eine Vielzahl von Versuchsergebnissen schwer erschüttert, wenn nicht widerlegt. Diese Ergebnisse zeigen, dass Lernen auch unter Bedingungen stattfinden kann, die mit einer Bedürfnis- bzw. Triebreduktion nicht in Einklang zu bringen sind. Die Triebreduktion stellt kein allgemeines Prinzip der Verstärkung dar.

ad f) Allgemeiner, unspezifischer Charakter des Triebs
HULL konzipierte “seinen Trieb (D)” als einen allgemeinen “Energiespender” für das Verhalten. Er nahm an, dass alle Bedürfniszustände, die zu einem gegebenen Zeitpunkt im Organismus vorhanden sind, auf die Höhe des Triebs einwirken.
Der Triebbegriff wird als gemeinsamer Nenner aller primären Bedürfnisse gesehen, gleichgültig ob diese zurückzuführen sind auf Nahrungsentzug, Wasserentzug, Abweichungen der Körpertemperatur vom Optimum, Verletzungen des Körpergewebes, Wirkung von Sexualhormonen oder andere Ursachen.
Bei dieser Aussage stehen zwei Überlegungen im Vordergrund: zum einen sollten verschiedene Quellen des Triebs gegenseitig austauschbar sein (d.h. eine Reaktion, die unter Hungerbedingungen gelernt wurde, sollte auch durch Durst energetisiert werden); zum anderen müsste die gelernte Reaktion mit größerer Stärke auftreten, wenn Hunger und Durst vorhanden sind, als nur unter Hungerbedingungen. BOLLES meint allerdings, dass es recht wenig Unterstützung für die Idee gibt, dass verschiedene Triebquellen gegenseitig austauschbar bzw. additiv sind. Es scheint dagegen plausibler zu sein, dass jede Quelle der Motivation ihre eigene Art von Motivation und ihre eigenen spezifischen Antworttendenzen produziert. BOLLES ist außerdem der Meinung, dass der größte Mangel am Triebkonzept der ist, dass es bei der Erklärung des Verhaltens nur geringe Hilfen bietet.
HULL ist zwar inhaltlich gescheitert, allerdings hat sich seine Konzeption einer Wissenschaft, die sich aufgrund empirischer Ergebnisse ständig überprüft und korrigiert als erfolgreich erwiesen. (VGL. TODT, S. 61 - 88)

2.2 Kognitive Motivation

Der Begriff “Kognitive Motivation” wird in der Literatur in mindestens zwei klar zu unterscheidenden Bedeutungen gebraucht bzw. auf zwei verschiedene Phänomene bezogen. Gemeinsam ist diesen Phänomenen lediglich, dass sie beide in der neueren Psychologie erstmalig in der Auseinandersetzung mit dem vornehmlich von HULL vertretenen Triebreduktionsmodell Beachtung finden. TOLMAN zeigt zwei Argumente auf, die der doppeldeutigen Verwendung des Begriffs zugrunde liegen:
- Kognitive Prozesse: Verhalten ist zielgerichtet und von Erwartungen und anderen kognitiven Prozessen gelenkt. Von hier führt eine Linie zur Erwartungs - Wert - Theorie der Motivation und ihrem bevorzugten Exempel, der Leistungsmotivation.
- Kognitives Verhalten: Tiere zeigen in Labyrinthversuchen spontanes Explorationsverhalten, das von der auf Bedürfnisse wie Hunger, Durst oder Sexualität Triebreduktionstheorie nicht hinreichend erklärt werden kann. Dieses Phänomen ist Gegenstand der Neugierforschung, die ein eigenständiges Motivationssystem postuliert.

Leistungsmotivation und Neugier werden häufig als Formen “kognitiver” oder auch “intrinsischer Motivation” bezeichnet, weil derartige Verhaltensweisen nicht an Bekräftigungen der Triebreduktionstheorie (Nahrung, sexueller Kontakt u.ä.) gebunden sein müssen. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den kognitiven Prozessen, die zielgerichtetes Verhalten bedingen und beeinflussen. Grundsätzlich lassen sich zwei theoretische Traditionen voneinander unterscheiden:
a) Die Theorien von LEWIN, TOLMAN und ATKINSON, die das Erwartungs-Wert-Modell charakterisieren bzw. ihm zugeordnet werden.
b) Kausalattributierungen, die Personen im Alltag als Schemata für Verhaltenserklärungen benutzen (siehe folgendes Kapitel).
Für beide Forschungsgegenstände ist die Leistungsmotivation zum vielzitierten Beispiel geworden: Die Konzepte “Erwartung” und “Wert” und deren Beziehungen wurden in der Theorie der Leistungsmotivation weitestgehend präzisiert. “Kausalattributierung” ist ein Bestandteil des Leistungsmotiv; notwendige Bedingung für die Genese des Leistungsmotivs ist die Fähigkeit zur Kausalattributierung, d.h. ein Kind muss in der Lage sein, einen Handlungseffekt auf sich selbst als Urheber zurückzuführen.

  
Die Kunst der Selbstmotivierung. Neue Erkenntnisse der Motivationsforschung praktisch nutzen
von Jens U. Martens
Siehe auch:
Sofortwissen kompakt. Selbstmotivation pur: Moti...
Einstellungen erkennen, beeinflussen und nac...
Selbstmanagement - ressourcenorientiert. Grundlag...
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