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2 Motivationstheorien im Bereich der Lernforschung2.1 Die Triebtheorie nach HULLDie Triebtheorie Hulls und deren Erweiterungen und Modifikationen ist mit
Sicherheit die bekannteste und am meisten zitierte Konzeption in der
Motivationpsychologie. Sie gilt als die erste klar gefasste, empirisch
prüfbare (und überprüfte) Motivationskonzeption. Hulls
Triebtheorie aus dem Jahre 1943 wurde von verschiedenen Personen, Konzeptionen
und Ideen beeinflusst. Wichtige Einflüsse erlangte die Theorie unter
anderem durch Charles DARWIN, John B. WATSON, Iwan P. PAWLOW, Edward L.
THORNDIKE, Alfred N. WHITEHEAD und Bertrand RUSSEL.
Die Motivationstheorie HULLs ist eigentlich keine typische
Motivationstheorie, sondern eher eine allgemeine Theorie des Verhaltens,
allerdings sind darin eine ganze Reihe von Aussagen enthalten, die als
motivationale zu kennzeichnen sind. Diese Motivationstheorie erfuhr im Laufe der
Zeit einige wesentliche Veränderungen, wodurch man zwischen drei
verschiedenen Motivationskonzeptionen unterscheiden muss (eine frühe rein
assoziationspsychologische Konzeption, die Triebtheorie und die
Anreiztheorie).
Bei dieser Theorie versucht HULL vor allem die Frage des Zustandekommens
von erfolgreichem adaptiven Verhalten zu beantworten. Nach seiner Meinung,
verfügt der Organismus bereits zum Zeitpunkt der Geburt über eine
Reihe von adaptiven Mechanismen, allerdings der weitaus größere Teil
erst durch Lernprozesse erworben wird.
Organismen besitzen zum Zeitpunkt der Geburt Rezeptor (Organe, die
Umweltreize und Innenreize aufnehmen können) - Effektor (Erfolgsorgane,
d.h. bestimmte Muskeln oder Muskelgruppen) - Verbindungen
(SUR), die unter kombinierten Einfluss von Stimulation (S)
und Trieb (D) eine Hierarchie von Reaktionen hervorrufen können, die
entweder alleine oder kombiniert einen Bedürfniszustand eher beenden
können, als eine Zufallsauswahl von Reaktionen, die aus anderen
S-D-Kombinationen resultieren.
Rezeptor-Effektor-Verbindungen sind nichts anderes als angeborene Reflexe,
die aber von HULL nicht als starre, unveränderliche neurale Verbindungen
angesehen werden. Diese Verbindungen sind für ihn eher Verhaltenstendenzen,
die innerhalb eines bestimmten Bereichs variieren können. Sie sind
allerdings nur in beschränktem Maße in der Lage, die Bedürfnisse
des Organismus zu befriedigen. Eine erfolgreiche Anpassung an beliebige
Situationen macht Lernen notwendig. Für HULL hat Lernen zwei Bedeutungen,
entweder Stärkung bestimmter angeborener Reiz-Reaktionsverbindungen, oder
die Bildung neuer Verbindungen. Die Bildung neuer Verbindungen ist nichts
anderes als PAWLOWs Prinzip der klassischen Konditionierung.
Immer wenn eine Reaktion ( R ) in zeitlicher Nähe mit einem afferenten
Impuls eines Rezeptors auftritt (durch das Einwirken des Reizes) und wenn diese
Verbindung unmittelbar die Verminderung des Bedürfnisses zur Folge hat
(Trieb (D) und Triebstimulus (SD) sinken ab), dann wird für
diesen Reiz die Tendenz vergrößert, bei künftigen Gelegenheiten
die gleiche Reaktion R auszulösen.
Dieses Gesetz besagt nichts anderes, als dass diejenige Reaktion, durch die
ein unmittelbares biologisches Bedürfnis reduziert wird, auch gelernt wird
und dass diese adaptive Reaktion mit größerer Wahrscheinlichkeit
ausgeführt wird, wenn das gleiche biologische Bedürfnis erneut
auftritt. HULL bezeichnet diese gelernten Reiz-Reaktionsverbindungen mit dem
Symbol SHR nach dem englischen Wort “habit”
für Gewohnheit. Die Stärke dieser Gewohnheit hängt von der Anzahl
der verstärkten Verbindungen zwischen S und R ab. Da es sich hierbei um
eine Triebtheorie handelt, soll nun noch die Motivationsvariable Trieb (D) noch
näher beleuchtet werden. Als wesentliche Merkmale von D lassen sich
folgende anführen:
a) Verankerung in bestimmten biologischen Bedürfnissen
(needs)
b) begleitende charakteristische Triebreize (SD)
c) Unabhängigkeit von Trieb und Gewohnheit
d) energetisierender Effekt des Triebs
e) verstärkender Effekt der Triebreduktion
f) allgemeiner unspezifischer Charakter des Triebs
ad a) Verankerung in biologischen Bedürfnissen
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