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1.1 Die Entwicklung der LeistungsmotivationDie Entwicklung der Leistungsmotivation beginnt schon sehr früh und
konnte bei Versuchen im Zusammenhang mit dem Kinderspiel beobachtet werden. Es
konnte gezeigt werden, dass die Wettbewerbssituation des Regelspiels schon von
3½jährigen Kindern verstanden wird (bei manchen sogar früher).
Diese Wettbewerbssituation wird im Augenblick, in dem sie kognitiv erfasst wird,
auch schon emotional besetzt. Das Kind registriert Erfolg uns Misserfolg und
reagiert darauf mit Stolz, Freude oder heftigen Unbehagen. In diesem Alter ist
das Kind noch nicht in der Lage, Misserfolge zu ertragen und weicht diesen aus,
indem es aus “dem Felde geht” oder das Weiterspielen verweigert. Der
Misserfolg wird geleugnet oder rationalisiert, indem er auf andere Umstände
zurückgeführt wird. Nach einem Misserfolg verweist das Kind auf sein
Können oder seinen Besitz, um dieses Erlebnis zu kompensieren. Nach 4½
Jahren wird die Frustrationstoleranz größer, wodurch das “aus
dem Felde gehen” seltener wird. Die Kinder dieses Alters können
länger in Wettbewerbssituationen verharren, bemühen sich, Misserfolge
durch größere Anstrengungen zu vermeiden und nehmen Erfolg und
Misserfolg zur Kenntnis. Das Versagen ist allerdings immer noch eine große
Belastung. Das Versagen stellt allerdings noch immer eine große Belastung
dar (das ist auch bis zum 6. und 7. Lebensjahr noch so). Der Misserfolg wird als
eine Minderung des Selbstwertgefühls gesehen, wodurch es zu
Affektausbrüchen kommt.
1.2 Die Leistungsmotivation und das Aspirationsniveau (Anspruchsniveau)Bei der Feststellung des Aspirationsniveaus, das sich Kinder spontan
setzen, wenn man sie zwischen verschiedenen Kraft- und
Geschicklichkeitsübungen wählen lässt, zeigen sich ähnliche
emotionale Reaktionen wie beim Wettbewerb.
Die 3½jährigen probieren verschiedene Aufgaben der Reihe nach
durch, ohne Erfolgs- oder Misserfolgserlebnisse erkennen zu lassen. Zwischen
3½ und 4½ Jahren konnten schon deutliche Bemühungen der Kinder
beobachtet werden, wodurch auch schon erste Erfolgs- und Misserfolgserlebnisse
deutlich wurden. Ab der zweiten Hälfte des 5. Lebensjahres kann man das
Vorhandensein des Aspirationsniveaus erkennen. Die Kinder ziehen aus Erfolg und
Misserfolg bestimmte Konsequenzen und suchen die Aufgaben in Hinblick auf den
möglichen Erfolg aus. Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit ist
hier schon sehr realistisch.
Weiters lassen sich auch individuelle Unterschiede der spontanen
Leistungsbereitschaft erkennen. Ob sich diese Unterschiede in der
Leistungsbereitschaft und im Anspruchsniveau auf eine endogene Komponente oder
auf Erziehungseinflüsse zurückführen lassen, lässt sich
nicht eindeutig sagen. Es zeigt sich allerdings, dass Kinder, die
selbständiger sind, auch ein höheres Aspirationsniveau und eine
stärkere Leistungsmotivation zeigen. Das Aspirationsniveau ist eng mit der
Leistungsmotivation verbunden, es eine wesentlichen Komponente
derselben.
Anne Müller fand durch eine Serie von Einpassaufgaben mit gestaffelter
Schwierigkeit 3 Zielsetzungsformen:
1. Bei den 3- bis 4jährigen überwiegt die unbezogene
Zielsetzungsform. Die Kinder wählen ihre Ziele unwillkürlich aus, ohne
Bezug auf Leistung oder Erfolg.
2. Die 4jährigen stecken sich ihre Ziele starr und unangepasst. Sie
wählen immer das gleiche Ziel (in der Regel das schwerste).
3. Im Alter von 5 bis 6 Jahren zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang
zwischen der Zielsetzung und den vorangegangenen Leistungserfolgen. Hier findet
sich eine deutliche Anspruchsniveaubildung mit entsprechendem
Konfliktcharakter.
Beobachtungen von Heckhausen und Roelofsen zeigten auch, dass die
ältesten Kinder ein sozialbezogenes Aspirationsniveau zeigen, das
heißt, dass sie ihre Leistungen mit Leistungen anderer
vergleichen.
Motiviertes Handeln besteht aus 3 Komponenten:
a.) die Wertorientierung (wie wichtig ist das angestrebte Ziel)
b.) die kognitive Komponente (Zielsetzung in bezug auf Zeit, mögliche
Chancen und der Erfahrungen in der Vergangenheit)
c.) die emotionale Komponente (Furcht vor Misserfolg, Hoffnung auf
Erfolg)
Bei Kleinkindern tritt die Wertkomponente sowie die emotionale Komponente
bei Wettbewerbssituationen schon deutlich in Erscheinung. Die kognitive
Komponente setzt erst mit dem Vorschulalter zwischen 5-6 Jahren ein. Eine voll
entwickelte Leistungsmotivation mit dazugehöriger Anspruchsniveaubildung
findet sich erst an der Wende zum Schulalter, wodurch dies auch als ein
Kriterium der Schulfähigkeit gesehen werden kann.
(SCHENK-DANZINGER, S. 129-134)
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