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3.2.1.6 Weitere kognitive und affektive Konsequenzen von Erfolg und MisserfolgIn einem System, das auf Wettbewerb angelegt ist, finden Schüler, die
durch ein Selbstkonzept höherer Fähigkeit zu kennzeichnen sind, die
besten Bedingungen vor. Der Erfolg erscheint für sie als Bestätigung
ihrer guten Fähigkeiten. Bei auftretenden Schwierigkeiten sind sie in der
Lage ihre Anstrengungen zu steigern. Wenn das positive Ereignis eintrifft,
erleben sie Zufriedenheit; allerdings nicht so sehr wegen der erfolgten
Anstrengung, sondern weil es gelang, andere zu schlagen. Der Erfolg wird dadurch
zum Selbstzweck, wodurch die Entwicklung einer aufgabenzentrierten Einstellung
nicht gefördert wird. Lernende, die durch ein Selbstkonzept geringerer
Fähigkeit gekennzeichnet sind, ändern auch nach einem positiven
Ereignis kaum ihre Erwartungen.
3.2.2 Relevante Beiträge der AngstforschungIn den letzten Kapiteln ist es darum gegangen, wie Schüler unter einer
sozialen Bezugsnorm-Orientierung versuchen, ihre Fähigkeiten gegenüber
sich selbst und anderen unter ein gutes Licht zu stellen. Problematisch ist die
Bedingung des etablierten Schulsystems, weil sie nur einem Teil der Schüler
die Chance zur Erreichung eines solchen Ziels eröffnet. Für einen
Schüler, der seine eigenen Fähigkeit gering einstuft, stellt jede
Leistungsanforderung eine erhebliche Bedrohung dar. Eine solche bedrohliche
Situation aktiviert Angst, die die Leistungsfähigkeit eines Menschen in
erheblichen Maße beeinträchtigen kann.
3.2.2.1 Kennzeichnung der AngstKaum einem Menschen dürften Situationen fremd sein, in denen er Angst
erlebt hat. Man kennt die unangenehmen Gefühle, die man z.B. in Erwartung
einer Prüfung, vor einem öffentlichen Auftritt oder auf dem Weg zum
Zahnarzt erlebt hat. In diesem Abschnitt soll das Gemeinsame solcher Erfahrungen
näher beleuchtet werden.
Nach HANSEN erlebt man in diesem Zustand allgemeine Unruhe, eine
unheilvolle Ahnung, ein Angespanntsein und bestimmte körperliche Symptome,
wie z.B. Zittern, Schwitzen, Feuchtwerden der Hände, Beschleunigung des
Pulsschlags und Atmung usw. Diese Symptome zeigen den Angstzustand allerdings
nicht sicher an, da sie auch einzeln oder in Kombination bei anderen psychischen
Zuständen (Freude, Wut, körperlicher Anstrengung) auftreten. Die Angst
mit ihren typischen Symptomen entsteht nach Wahrnehmung eines Ereignisses, das
als bedrohlich angesehen wird. Die Angst vor einer Prüfung ist dadurch
gegeben, dass ein Versagen mit ungünstigen Folgen für das Selbstbild
verbunden sein kann, dazu kommen möglicherweise noch erhebliche materielle
Verluste. Die Wahrnehmung einer Bedrohung mag auf ein Individuum zwar
aktivierend wirken, ob und in welchem Ausmaß es darauf mit Angst reagiert,
bestimmt sich nach den zur Verfügung stehenden Reaktionsmöglichkeiten.
Für KROHNE gehört zur Kennzeichnung des Angstzustandes neben der
Wahrnehmung einer Gefahrensituation auch eine Situation, in der eine
adäquate Reaktion des Individuums nicht möglich erscheint. Vor allem
bei dem durch Prüfungssituationen ausgelösten Angstzustand hat es sich
als fruchtbar erwiesen, zwischen einer kognitiven und einer emotionalen
Komponente zu unterscheiden.
- kognitiv: “Ich mache mir zuviel Sorgen.”
- emotional: “Wenn mein Name fällt, habe ich sofort ein
beklemmendes Gefühl.”
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