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| ISBN: 3170204017 ISBN: 3170204017 ISBN: 3170204017 ISBN: 3170204017 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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3.2.1.4 Strategien zur Vermeidung von Misserfolg und ihre KonsequenzenLehrer, die sich bei ihrer Unterrichtsgestaltung an einer sozialen
Bezugsnorm orientieren neigen dazu, sämtliche Mitglieder der Klasse mit den
selben Aufgaben zu konfrontieren. Dadurch werden einige Schüler
überfordert und andere unterfordert. Jene Schüler, die ständig zu
schwierige Aufgaben bekommen finden kaum Bedingungen vor, wo sie vom Lehrer eine
positive Stellungnahmen vom Lehrer erhalten bzw. kaum Erfolge erfahren
können. In der Folge gelangen einige Schüler zu der Auffassung, dass
sie nur so gut wie ihre Leistungen sind.
Diese Schüler richten nun erhebliche Anstrengungen darauf, vor sich
selbst und vor anderen nicht als unbegabt zu erscheinen. Dieses
Image-Management fordert von Schülern, die des öfteren
Misserfolge erleben, den verstärkten Einsatz defensiver Strategien, um den
Eindruck des Versagens entgegenzuwirken.
Unter ego-zentrierten Bedingungen neigen misserfolgsmotivierte Schüler
dazu, sehr leichte und sehr schwierige Aufgaben zu bevorzugen. Bei Aufgaben, die
eine Lösung sicher erwarten lassen, bleibt ihnen somit ein Misserfolg
erspart. Der vorhersagbare Misserfolg bei sehr schwierigen Aufgaben lässt
sich eher ertragen, weil die meisten Personen an dieser Aufgabe scheitern
würden. Lernende, die sich aufgrund ihrer Fähigkeit höher
einstufen, meiden dagegen Aufgaben in den extremeren Bereichen der
Schwierigkeitsskala. Untersuchungen im Bereich der Schule stützen die
Empfehlung, Anforderungen so auszuwählen, dass der Schüler 90- bis
100%ige Erfolgswahrscheinlichkeit hat. Lehrer, die bei den Schülern
vergleichsweise höhere Versagensquoten hervorrufen, stimulieren
vergleichsweise geringere Lernfortschritte.
3.2.1.5 Interpretation von LeistungsergebnissenNach dem Vorliegen eines Handlungsergebnisses setzt ein komplizierter
Prozess ein, von dessen Verlauf es abhängt, ob der Handelnde mit der
erbrachten Leistung zufrieden ist oder nicht. Die affektive Reaktion hängt
nicht ausschließlich von der Lehrerbewertung ab. Eine als
“gut” benotete Arbeit muss nicht als Erfolg und eine als
“genügend” bewertete nicht als Misserfolg gelten. WEINER geht
davon aus, dass es von der Interpretation eines Leistungsergebnisses
abhängt, ob man sich als erfolgreich erlebt oder nicht. Ein Leitprinzip der
Attributierungstheorie besteht nach WEINERs Überzeugung darin, dass sich
der Mensch um Verständnis der Umwelt bemüht, indem er herauszufinden
versucht, warum ein Ereignis aufgetreten ist. Allerdings fordert nicht jedes
wahrgenommene Ereignis eine Erklärung heraus, da dies für den
Organismus eine zu starke kognitive Belastung darstellen würde.
Außerdem stehen ja ohnehin viele Wahrnehmungen im Einklang mit den eigenen
Erwartungen. Ganz anders verhält es sich mit Ereignissen, die den
Erwartungen widersprechen und die somit Diskrepanzerlebnisse hervorrufen (siehe
Kapitel 3.1.2).
WEINER hat die erhaltenen Antworten, wie denn das jeweilige
Leistungsergebnis zustande gekommen sei, daraufhin untersucht, ob sie sich nach
bestimmten Gemeinsamkeiten klassifizieren lassen. Im Rahmen seiner ersten
Arbeiten identifizierte er zunächst zwei “kausale Dimensionen”:
die Lokalitäts- und die Stabilitätsdimension.
Leistungsursachen lassen sich zunächst danach klassifizieren, ob sie
internal oder external zu klassifizieren sind.
- internale Ursache: das Leistungsergebnis lässt sich auf
Merkmale der handelnden
Person zurückführen (z.B.
Fähigkeit und Anstrengung)
- externale Ursache: die Ursache liegt nach Auffassung des
Wahrnehmenden
außerhalb der handelnden Person
(Zufall, Art der Aufgabe)
Des weiteren lassen sich Ursachen danach qualifizieren, ob sie als stabil
oder variabel wahrgenommen werden. Zumindest ältere Schüler verstehen
die Intelligenz als konstantes Merkmal, während sie die Anstrengung zumeist
als variabel auffassen. Aus den beiden genannten Dimensionen lässt sich
eine Vierfeldertafel mit jeweils einem typischen Merkmal erstellen, man nennt
dies auch das
Vierfelderschema der Attribution nach WEINER
PERSONENABHÄNGIGKEIT
Stabilität internal external
stabil Fähigkeit Aufgabenschwierigkeit
variabel Anstrengung Zufall
Als Ergänzung zu diesen Dimensionen hat WEINER vorgeschlagen,
zusätzlich zu berücksichtigen, ob eine Ursache als kontrollierbar
(Anstrengung) angesehen wird oder nicht (Intelligenz). Die Bestimmung von
Ursachen bei Erfolg oder Misserfolg stellt unter anderem das Ergebnis eines
Prozesses dar, in dessen Verlauf Informationen nach bestimmten Regeln
verarbeitet werden. Ob ein Mensch einen Erfolg auf seine Fähigkeit
zurückführt, hängt auch von seinen vorangegangenen Erfahrungen
ab. Des weiteren hängt die Einschätzung der eigenen Leistung davon ab,
welche Resultate andere vergleichbare Personen erzielt haben. Ob
Ursachenzuschreibungen das Resultat eines rationalen Prozesses sind, hängt
davon ab, ob sie ego-zentriert oder aufgaben-zentriert ist. Bei der
individuellen Bezugsnorm-Orientierung fühlt sich der Schüler weniger
herausgefordert, seinen Selbstwert positiv darzustellen, um sich vor sich selbst
und anderen zu schützen. In Situationen des Wettstreits findet man hingegen
Antwortstrukturen, die als Ergebnis einer Wechselwirkung zwischen rationalen
Prozessen und selbstwertdienlicher Motivation entstanden sind.
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