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Leistungsmotivation

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3.2.1.4 Strategien zur Vermeidung von Misserfolg und ihre Konsequenzen

Lehrer, die sich bei ihrer Unterrichtsgestaltung an einer sozialen Bezugsnorm orientieren neigen dazu, sämtliche Mitglieder der Klasse mit den selben Aufgaben zu konfrontieren. Dadurch werden einige Schüler überfordert und andere unterfordert. Jene Schüler, die ständig zu schwierige Aufgaben bekommen finden kaum Bedingungen vor, wo sie vom Lehrer eine positive Stellungnahmen vom Lehrer erhalten bzw. kaum Erfolge erfahren können. In der Folge gelangen einige Schüler zu der Auffassung, dass sie nur so gut wie ihre Leistungen sind.
Diese Schüler richten nun erhebliche Anstrengungen darauf, vor sich selbst und vor anderen nicht als unbegabt zu erscheinen. Dieses Image-Management fordert von Schülern, die des öfteren Misserfolge erleben, den verstärkten Einsatz defensiver Strategien, um den Eindruck des Versagens entgegenzuwirken.
Unter ego-zentrierten Bedingungen neigen misserfolgsmotivierte Schüler dazu, sehr leichte und sehr schwierige Aufgaben zu bevorzugen. Bei Aufgaben, die eine Lösung sicher erwarten lassen, bleibt ihnen somit ein Misserfolg erspart. Der vorhersagbare Misserfolg bei sehr schwierigen Aufgaben lässt sich eher ertragen, weil die meisten Personen an dieser Aufgabe scheitern würden. Lernende, die sich aufgrund ihrer Fähigkeit höher einstufen, meiden dagegen Aufgaben in den extremeren Bereichen der Schwierigkeitsskala. Untersuchungen im Bereich der Schule stützen die Empfehlung, Anforderungen so auszuwählen, dass der Schüler 90- bis 100%ige Erfolgswahrscheinlichkeit hat. Lehrer, die bei den Schülern vergleichsweise höhere Versagensquoten hervorrufen, stimulieren vergleichsweise geringere Lernfortschritte.

3.2.1.5 Interpretation von Leistungsergebnissen

Nach dem Vorliegen eines Handlungsergebnisses setzt ein komplizierter Prozess ein, von dessen Verlauf es abhängt, ob der Handelnde mit der erbrachten Leistung zufrieden ist oder nicht. Die affektive Reaktion hängt nicht ausschließlich von der Lehrerbewertung ab. Eine als “gut” benotete Arbeit muss nicht als Erfolg und eine als “genügend” bewertete nicht als Misserfolg gelten. WEINER geht davon aus, dass es von der Interpretation eines Leistungsergebnisses abhängt, ob man sich als erfolgreich erlebt oder nicht. Ein Leitprinzip der Attributierungstheorie besteht nach WEINERs Überzeugung darin, dass sich der Mensch um Verständnis der Umwelt bemüht, indem er herauszufinden versucht, warum ein Ereignis aufgetreten ist. Allerdings fordert nicht jedes wahrgenommene Ereignis eine Erklärung heraus, da dies für den Organismus eine zu starke kognitive Belastung darstellen würde. Außerdem stehen ja ohnehin viele Wahrnehmungen im Einklang mit den eigenen Erwartungen. Ganz anders verhält es sich mit Ereignissen, die den Erwartungen widersprechen und die somit Diskrepanzerlebnisse hervorrufen (siehe Kapitel 3.1.2).
WEINER hat die erhaltenen Antworten, wie denn das jeweilige Leistungsergebnis zustande gekommen sei, daraufhin untersucht, ob sie sich nach bestimmten Gemeinsamkeiten klassifizieren lassen. Im Rahmen seiner ersten Arbeiten identifizierte er zunächst zwei “kausale Dimensionen”: die Lokalitäts- und die Stabilitätsdimension.
Leistungsursachen lassen sich zunächst danach klassifizieren, ob sie internal oder external zu klassifizieren sind.
- internale Ursache: das Leistungsergebnis lässt sich auf Merkmale der handelnden
Person zurückführen (z.B. Fähigkeit und Anstrengung)
- externale Ursache: die Ursache liegt nach Auffassung des Wahrnehmenden
außerhalb der handelnden Person (Zufall, Art der Aufgabe)
Des weiteren lassen sich Ursachen danach qualifizieren, ob sie als stabil oder variabel wahrgenommen werden. Zumindest ältere Schüler verstehen die Intelligenz als konstantes Merkmal, während sie die Anstrengung zumeist als variabel auffassen. Aus den beiden genannten Dimensionen lässt sich eine Vierfeldertafel mit jeweils einem typischen Merkmal erstellen, man nennt dies auch das
Vierfelderschema der Attribution nach WEINER
PERSONENABHÄNGIGKEIT
Stabilität internal external

stabil Fähigkeit Aufgabenschwierigkeit
variabel Anstrengung Zufall

Als Ergänzung zu diesen Dimensionen hat WEINER vorgeschlagen, zusätzlich zu berücksichtigen, ob eine Ursache als kontrollierbar (Anstrengung) angesehen wird oder nicht (Intelligenz). Die Bestimmung von Ursachen bei Erfolg oder Misserfolg stellt unter anderem das Ergebnis eines Prozesses dar, in dessen Verlauf Informationen nach bestimmten Regeln verarbeitet werden. Ob ein Mensch einen Erfolg auf seine Fähigkeit zurückführt, hängt auch von seinen vorangegangenen Erfahrungen ab. Des weiteren hängt die Einschätzung der eigenen Leistung davon ab, welche Resultate andere vergleichbare Personen erzielt haben. Ob Ursachenzuschreibungen das Resultat eines rationalen Prozesses sind, hängt davon ab, ob sie ego-zentriert oder aufgaben-zentriert ist. Bei der individuellen Bezugsnorm-Orientierung fühlt sich der Schüler weniger herausgefordert, seinen Selbstwert positiv darzustellen, um sich vor sich selbst und anderen zu schützen. In Situationen des Wettstreits findet man hingegen Antwortstrukturen, die als Ergebnis einer Wechselwirkung zwischen rationalen Prozessen und selbstwertdienlicher Motivation entstanden sind.

  
Die Kunst der Selbstmotivierung: Neue Erkenntnisse der Motivationsforschung praktisch nutzen
Siehe auch:
Sofortwissen kompakt. Selbstmotivation pur: Moti...
Einstellungen erkennen, beeinflussen und nac...
Lehrbuch der Persönlichkeitspsychologie: Motivati...
Authentisches Selbstmanagement: Übungen zur Stei...
Grundriss der Psychologie: Motivation: BD 6
Motivationspsychologie kompakt
 
   
 
     
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