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Leistungsmotivation

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3.2.1.2 Anstrengungs- und Fähigkeitskonzeptionen

Für sehr junge Schüler sind Begabung und Anstrengung noch nicht voneinander getrennt. Wenn zwei Personen die gleichen Leistungen erzielt haben, besitzt nach diesem Verständnis derjenige höhere Fähigkeiten, der sich mehr angestrengt hat und umgekehrt. Kinder ab dem achten bzw. neunten Lebensjahr schätzen die Situation so ein, dass schwächere Begabung durch Anstrengung ausgeglichen werden kann. Diese Auffassung ist vor allem für die späteren Lebensjahre bedeutsam, da ältere Schüler daraus schließen: Wer sich bei einer nicht allzu schwierigen Aufgabe erheblich angestrengt hat, könnte möglicherweise einen Ausgleich für geringere Begabung vorgenommen haben!
Ältere Schüler bevorzugen die Identifikation mit anderen, die gute Ergebnisse aufgrund ihrer Begabung erzielen. Von Grundschülern wird hingegen eine hohe Anstrengungsbereitschaft positiv bewertet, weil sie nach ihrer Auffassung entweder mit einer hohen Begabung einhergeht oder von dieser abhängt. Hartes Arbeiten gilt für Schüler höherer Klassen nicht mehr als Erfolgsgarantie.

3.2.1.3 Aufgaben- und ego-zentrierte Einstellungen

Wie bereits bei der Kennzeichnung des Leistungsbegriffs festgestellt wurde, wird ein Handlungsergebnis aufgrund eines Gütemaßstabs bewertet. Grundsätzlich lassen sich hier zwei Maßstäbe voneinander unterscheiden.
- sozialer Maßstab: die Leistungen eines Schülers werden mit der Durchschnittsform
einer Bezugsgruppe verglichen
- individueller Maßstab: das aktuelle Handlungsergebnis eines Schülers wird mit
dessen eigenen früheren Leistungen verglichen
Beim sozialen Maßstab hängt das Urteil über den einzelnen offenkundig davon ab, was jene Schüler leisten, die sich zufällig in derselben Klasse befinden. Leistungsunterschiede innerhalb der eigenen Leistung erscheinen unter dieser Perspektive unveränderlich. Eine vorwiegend soziale Bezugsnorm-Orientierung fördert beim Schüler eine ego-zentrierte Einstellung (ego involvement). Das Kind ist dadurch mehr mit sich beschäftigt, um vor sich selbst und vor anderen ein gutes Abbild seiner Fähigkeiten zu geben (und ggf. zu vermeiden, als unfähig zu gelten).
Dadurch erfährt das Lernen als solches keine hohe Bewertung. Der Schüler ist dadurch nicht primär motiviert, Lern- und Verständnisfortschritte zu erreichen. Unter dieser sozialen Bezugsnorm-Orientierung leiden Schüler, die durch ein Selbstkonzept geringerer Fähigkeit gekennzeichnet werden, da sich ihre Misserfolge manifestieren und kaum Möglichkeit geboten wird, Leistungssteigerungen der eigenen Person positiv zu verstärken.
Eine individuelle Bezugsnorm-Orientierung ist für einen Lehrer kennzeichnend, der das aktuelle Leistungsverhalten eines Schülers vor allem auf dem Hintergrund seiner bisherigen Leistungen bewertet. Dadurch lässt es sich feststellen, ob der sich der Schüler verbessert, verschlechtert hat oder ob seine Leistungen konstant geblieben sind. Bei diesem Maßstab findet man eine aufgabenzentrierte Einstellung (task-involvement) vor. Das Interesse des Schülers wird also mehr auf die Aufgabe gelenkt und das Lernen wird als abhängig von der Anstrengung gesehen. Mehr Anstrengung führt bei dieser Sichtweise zu mehr Lernen und höherer Fähigkeit. Wenn ein Kind unter diesem Bezugsrahmen versagt, so fragt es sich, was man an der eigenen Leistung ändern könnte, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Die individuelle Bezugsnorm-Orientierung aktiviert ein Fähigkeits- und Anstrengungskonzept, das vor allem bei sehr jungen Schülern anzutreffen ist. Die soziale Bezugsnorm-Orientierung rückt hingegen bei älteren Schülern in den Blickpunkt.

  
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