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3.2 Motivationale Determinanten des LeistungsverhaltensIn vielen Schulklassen findet man Schüler vor, die in
“reiner” Ausprägung folgendes Verhaltensmuster offenbaren: Nach
Erfolgen erhöhen sie ihre zukünftigen Leistungserwartungen.
Misserfolge wirken auf sie kaum beunruhigend, da sie davon ausgehen, dass sich
diese zukünftig vermeiden lassen können. Sie können sich
ausdauernd mit einer Aufgabe befassen und finden Leistungsherausforderungen
attraktiv. Weder extrem leichte noch zu schwierige Aufgaben werden bevorzugt.
Im Gegensatz zu dieser Art von Schülern gibt es jene, die auf
Leistungssituationen aversiv reagieren. Nach einem Misserfolg fallen ihre
Leistungen rapide ab, geben bei weiteren Fehlschlägen sehr schnell auf und
scheinen keine Anstrengungen mehr zu unternehmen, die bestehenden
Schwierigkeiten zu überwinden.
Im folgenden soll eine Übersicht über drei Forschungstraditionen
gegeben werden, die sich mit dem oben skizzierten Problem
beschäftigen.
3.2.1 Selbstwert-Theorie der LeistungsmotivationDer Schüler, der seinen Selbstwert steigern möchte, steht bei
dieser Darstellung im Mittelpunkt. Für die meisten Schüler stellt sich
ständig das Problem, Misserfolge interpretativ so einzubetten, dass sie
ihren für das Selbstbild bedrohlichen Charakter wenigstens etwas verlieren.
Wenn dies nicht gelingt, geraten die weiteren Leistungsergebnisse zunehmend
außer Kontrolle. Am Ende dieses Prozesses steht die Hilflosigkeit mit
ihren Erscheinungsformen der Apathie und des Desinteresses (dies wird in einem
eigenen Kapitel noch ausführlich behandelt).
3.2.1.1 Kennzeichen einer leistungsthematischen GrundsituationHECKHAUSEN formulierte Kennzeichen, die Leistung im psychologischen Sinne
charakterisiert. Den Ausgangspunkt dafür bildet ein Individuum, das plant,
etwas tut und bewertet.
* Die Handlung muss zu einem Resultat geführt haben.
* Vor Ausführung der Handlung darf das Ergebnis nicht vorhersagbar
sein.
* Das Handlungsresultat muss sich durch einen Gütemaßstab messen
lassen können.
* Der Handelnde muss sich für das Resultat verantwortlich fühlen
können.
Der Lehrer, der seine Schüler zur Anfertigung eines Aufsatzes
auffordert, regt beim Lernenden eine Handlung an. Einige Schüler sind durch
ein stark ausgeprägtes Leistungsmotiv gekennzeichnet, man nennt dies auch:
sie haben ein Selbstkonzept hoher Fähigkeit. Diese Art von Schüler
beginnen einen Aufsatz oder eine andere Aufgabe mit einer gewissen
Voreingenommenheit, d.h. dass ein Erfolgserlebnis und somit auch Anerkennung
erwarten. Sie können solche mittelbaren und unmittelbaren Folgen bereits
gedanklich vorwegnehmen, wodurch die Aussicht auf solche Konsequenzen der
eigenen Handlung einen wesentlichen Anreiz schafft.
Es gibt aber auch Schüler, die aufgrund mehrerer Misserfolge auf diese
Leistungssituation anders reagieren. Zunächst unterscheiden sich diese
Schüler im Vergleich zu den obig genannten nur durch ihre
Erklärungsstrategien. Ihnen gelingt es weniger, Misserfolge so zu
interpretieren, dass sie ihren bedrohlichen Charakter verlieren. Eine Kette von
Misserfolgen lässt bei ihnen Zweifel entstehen, ob sie über
ausreichende Fähigkeiten verfügen. Wenn sich die Misserfolge weiter
häufen, wird es immer schwieriger, bei seinen Entschuldigungen noch
glaubhaft zu wirken. Allmählich bleibt nichts mehr übrig als das Bild,
das man von Außenstehenden von sich selbst zu vermitteln versucht, zu
korrigieren und es mit den bereits vorherrschenden Selbstzweifeln in
Übereinstimmung zu bringen. Ein Schüler mit einem Selbstkonzept
geringerer Fähigkeit oder ein Misserfolgsmotivierter erwartet nach jeder
Leistungsherausforderung weitere Misserfolge mit all ihren unangenehmen Folgen.
Für einen solchen Schüler besitzt jede leistungsthematische Situation
einen negativen Anreiz.
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